DÜSSELDORF. Der neue
konservative iranische Präsident Mahmud
Ahmadinedschad gerät innenpolitisch
stärker unter Druck. Bereits zwei Mal
musste er seinen Kandidaten für den
wichtigsten Kabinettsposten
zurückziehen:dem des Ölministers. Und
auch sein neuer Vorschlag, Mohsen
Tassalloti, Chef einer staatlichen
petrochemischen Firma, hat nicht die
besten Chancen, die nötige Zustimmung im
Parlament zu erhalten. „Die Situation
ist völlig chaotisch“, sagt ein
westlicher Diplomat in Teheran.
Ahmadinedschad, zuvor
BürgermeisterTeherans, hatte imJuni
überraschend dieWahl gegen den als
moderat geltenden Ex-Staatschef Haschemi
Rafsandschani gewonnen. Der auf
nationaler Ebene politisch unerfahrene
Präsident hat inzwischen mit einer
harten Linie im Atomkonflikt und seinen
Äußerungen zur Zerstörung Israels nicht
nur außenpolitisch für Irritationen
gesorgt. Seine handwerklichen Fehlerin
der Innenpolitik hätten sogar dazu
geführt, dass er Leute gegen sich
aufgebracht habe, die ihm politisch nahe
stünden, so der Diplomat. Hinter den
Kulissen brodele es.
Eigentlichwar der
Präsident angetreten, um gegen
Vetternwirtschaft vorzugehen. Aber seine
beiden gescheiterten Kandidaten für den
Topjob im Ölministerium zeichneten sich
vor allem durchzwei Eigenschaften aus:
Sie hatten keine Erfahrung im
Ölgeschäft, standen dafür aber dem
Präsidenten persönlich nahe. Das hatte
das von Konservativen beherrschte
Parlament aufgebracht. Hinzu kam, dass
der letzte Kandidat, Sadek Mahsuli, eine
noch nicht geklärte Rolle in einem
Millionen Dollar schweren Ölgeschäft mit
Tadschikistan spielte.
Auch mit dem aktuellen
Personalvorschlag verprellt der
Präsident wieder das Parlament, das
kommende Woche darüber abstimmen will:
Eine Liste mit 17 dem Parlament genehmen
Kandidaten ignorierteer. „Dem
Präsidenten und seiner Umgebung geht es
nicht um pragmatische Politik, sondern
um Ideologie“, interpretiert ein
Teheraner Analyst die Lage.
Für die Ölindustrie
kann die Vakanz an der
Ministeriumsspitze zum Problem werden:
„Wichtige Verträge werden nicht
abgeschlossen. Seit der Zeit vor den
Präsidentschaftswahlen ruhen die
Aktivitäten“, sagt Ali Ghezelbash
vomTeheraner Beratungsunternehmen Atieh
Bahar. Das
nach Förderleistung zweitgrößte
Opec-Land muss dringend in den Ausbau
seiner Produktion investieren und
braucht dazu auch ausländische Konzerne.
Gegenwind droht
Ahmadinedschad auch vom
„Schlichtungsrat“, einem Gremium, das
bei Konflikten zwischen den Organen im
komplizierten iranischen Gottesstaat
vermitteln soll. Der religiöse Führer
Ali Chamenei hatdemRat jetzt eine
umfassende Kontrollfunktion verliehen.
Theoretisch könnte dieser alle
Beschlüsse der Regierung prüfen – und
verhindern. Vorsitzender des Rats ist
der gegen Ahmadinedschad gescheiterte
Rafsandschani. DieAufwertung des
Gremiums hat sich schon abgezeichnet.
Offenbar bereitet sogar konservativen
Mitgliedern des Establishments der
fundamentalistische Eifer des neuen
Präsidenten Unbehagen: Der Rat könnte
ihnen nun eine bessere Kontrolle
ermöglichen. Das schon in
derVergangenheit komplizierte
Machtverhältnis zwischen den
Verfassungsorganen Irans – dem
religiösen Führer, Parlament und
Regierung – dürfte dadurch noch
schwierigerwerden.